Übergeber/innen
Machen Sie sich und Ihr Unternehmen fit für die Übergabe.
„Unsere Kinder sind uns kurz geliehen, bis sie erwachsen von uns ziehen. Du kannst ihnen deine Liebe geben, aber nicht deine Gedanken, denn sie haben ihre eigenen Gedanken“, meinte schon Khalil Gibran (Der Prophet).
Also seien Sie stolz auf das, was Sie aufgebaut und geleistet haben und machen Sie sich und Ihr Unternehmen bewusst, rechtzeitig und professionell fit für die Übergabe.
Suchen Sie sich rechtzeitig Alternativen für die Zeit danach.
Es besteht sonst die Gefahr, dass Sie sich an das Alte klammern und somit keinen Platz für den Nachfolger schaffen. Achten Sie darauf, rechtzeitig ihre Träume zu finden und deren Verwirklichung vorzubereiten.
„Ein Herr in den besten Jahren - also etwa Mitte 50 - beschloss, seine Firma seinen beiden Söhnen zu übergeben. Er hatte sie mit viel Fleiß und Mühe aufgebaut und hatte nun genug. Die Jungen waren bereit, das Geschäft zu übernehmen. Daraufhin kaufte er sich einen riesengroßen Unimog-Gelände-LKW, ließ diesen um insgesamt 300.000,- Euro als Expeditionsmobil herrichten und befuhr mehrere Jahre die Welt. Er ist mit dem Unimog mehrere Wochen autark, kann Wüsten durchqueren und Strecken befahren, wo sonst keiner hinkommt. Die Firma interessiert ihn nicht mehr, seine Söhne führen sie gut und entwickeln das Unternehmen nach ihren Wünschen weiter. Der Vater hatte genügend Geld, um sich seine Pensionsträume zu erfüllen und konnte dies außerdem tun, bevor er wirklich alt und krank war.“
Planen Sie Ihr Leben nach dem Unternehmen.
Als Unternehmer sind Sie gewohnt, der Firma wie den Mitarbeiter- und Kundenbedürfnissen gerne Vortritt zu geben. Dabei kommt ihr eigenes Leben oder die Familie; vor allem wenn diese im Betrieb mitarbeiten - oft zu kurz. Der Spaß und die Freude am Unternehmersein schwindet so mit den Jahren. Das ist ein guter Zeitpunkt, sich der eigenen Träume - auch von früher - zu erinnern und selbstbestimmt Ihr Leben nach dem Unternehmen zu planen.
Stellen Sie sich dazu folgende Fragen:
- Welche drei Dinge möchte ich in meinem Leben unbedingt noch tun?
- Mit welchen Menschen in meiner Umgebung möchte ich in Zukunft mehr Zeit verbringen?
- Auf was möchte ich am Ende meines Lebens zurückschauen können?
Je früher Sie ein Szenario für das Leben nach dem Unternehmen habe, desto leichter fällt Ihnen die Übergabe.
Gestalten Sie die Übergabe bewusst, rechtzeitig und strategisch.
Eine Übergabe ist ein Prozess von mehreren Jahren und sollte ebenso strategisch geplant sein wie das Führen eines Unternehmens. Setzen Sie sich Meilensteine und fixieren Sie den Zeitpunkt der Übergabe. Sprechen Sie mit Freunden, Ihrem Steuerberater, Ihrem Bankbetreuer, einem Unternehmensberater, einem Rechtsanwalt und vor allem mit Ihrer Familie. Besorgen Sie sich alle notwendigen Unterlagen. Klären Sie die Eigentümerverhältnisse und achten Sie frühzeitig darauf, dass Ihr Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist. Denn finanzielle Sicherheit erleichtert die Übergabe!
Überlegen Sie rechtzeitig, wie das Erbe aufgeteilt wird.
In vielen Fällen schiebt man diese Frage vor sich her – es wäre aber günstig, die Weichen schon frühzeitig zu stellen, idealerweise mit externer Hilfe. Dazu gehört aber auch, einen geeigneten Nachfolger aufzubauen:
„Ich habe vier Söhne und drei Firmen. Die Frage war also, wie können wir das gerecht aufteilen? Es liegt mir ja an jedem Sohn gleich viel. Das galt es abzubilden! Die Firmen für sich waren steuerlich (vor dem Finanzamt) ja nicht gleich viel wert – betriebswirtschaftlich gesehen. Alles unter allen Umständen zusammenlegen und durch vier teilen? Der Jüngste sagte damals, er steige nicht ins Unternehmen ein. Also was würde mit ihm werden? Sollte er Anteile an allen Unternehmen bekommen? Dieses und vieles mehr habe ich mir damals durch den Kopf gehen lassen und dann irgendwann erstmals meinen Söhnen vorgestellt.“
Geben Sie kontinuierlich Verantwortung ab.
Unternehmer neigen dazu, anderen gerne unter die Arme zu greifen. So wird die Last, die Sie für andere tragen, zunehmend größer & und schwerer. Werden Sie sich bewusst, dass Sie schon längst nicht mehr alles selber tun müssen und geben Sie kontinuierlich Verantwortung ab - vor allem dann, wenn die Nachkommen bzw. der zukünftige Übernehmer schon im Betrieb mitarbeiten. Das Potential der Übernehmer kann sich nämlich erst dann zur Gänze entfalten, wenn ihnen Vertrauen und Raum gegeben wird. Also lassen Sie den Lichtschalter ruhig mal an!
Freuen Sie sich, wenn der Junior Veränderungen plant.
Nur durch Veränderung kann das Bestehende Bestand haben. Neue Märkte, neue Konkurrenten, neue Technologien verlangen manchmal nach einer neuen Führung. Trauen Sie es dem Jungen zu!
„Als Elternteil ist es das Schönste zu sehen, wie die Kinder groß werden. Wenn sie dann alle die Matura schaffen, ist man schon ganz glücklich. Wenn sie dann auch noch studieren und ihr Studium erfolgreich abschließen, ist man nochmals beschenkt. Wenn man sieht, dass sie einen eigenen Job finden und beruflich erfolgreich und privat glücklich sind und eigene Familien gründen, dann hat man alles bekommen, wofür man Eltern geworden ist. Ich hatte das gleich vier Mal. Also bin ich ein reicher Mann. Was will ich noch mehr? Als meine Söhne zu mir ins Unternehmen kamen, hatten sie alle einen Job, bei dem sie mehr verdienten, als ich ihnen bieten konnte. Und sie sind dennoch alle gekommen. Das hat mich natürlich schon gefreut. Ich vertraue meinen Söhnen ganz und gar. Sie sind sehr fähig. Sie können es. Sie können es allein!“
Ziehen Sie sich auf die Rolle des Mentors zurück.
Ihre langjährige Erfahrung als Unternehmer ermöglicht Ihnen, sich auf die Rolle des Mentors zurückzuziehen. Erinnern Sie sich dabei immer wieder an Ihren eigenen Anfang als Unternehmer, an Ihre Ideen, an Ihren Tatendrang und unterstützen Sie den Übernehmer dabei, seine eigene Lösung zu finden.
Vertrauen Sie dabei darauf, dass jeder - und speziell wenn es Ihr eigenes Kind ist - schon alles in sich hat, um eine Aufgabe erfolgreich bewältigen zu können. Und geben Sie Rat nur dann, wenn Sie gefragt und darum gebeten werden!
Ziehen Sie sich bewusst und im richtigen Tempo für beide zurück.
Setzen Sie dafür Meilensteine und halten Sie sich auch daran – eventuell auch mit Hilfe externer Supervision.
„Ich glaube, dass es wichtig ist, dass eine endgültige Übergabe so stattfindet, dass man irgendwann endgültig loslassen kann. Was danach passiert, muss mir vollkommen egal sein. Jetzt greife ich ja noch ein und habe das letzte Wort im Falle des Falles. Wenn das nicht mehr so ist, ist die Frage, ob es dann noch sinnvoll ist, weiterhin zur Verfügung zu stehen.“
Tun Sie sich selbst etwas Gutes.
Niemand kennt Ihre Bedürfnisse und Wünsche so gut wie Sie selbst. Tun Sie sich selbst etwas Gutes und belohnen Sie sich für Ihren eigenen Erfolg als Unternehmer: mit einem Ausstellungsbesuch, einem Kunstwerk, einem Konzert, einem guten Buch, einem Abendessen mit Freunden, einem Spaziergang, einer Reise oder einfach einem Nickerchen. Aber bleiben Sie am Boden, denn nicht der Preis, sondern die Geste zählt!
Übergeben Sie ganz und mit ganzem Herzen.
Bekräftigen Sie dies durch einen symbolischen Akt, an dem die ganze Firma teilnimmt.
„Wir haben die Übergabe mit einem großen Fest und im Beisein all unserer MitarbeiterInnen, TrainerInnen und Kunden hier im Haus gefeiert. Am Tag danach kam dann ein Knödel in meinem Hals. Und so kamen mir Bilder, was mir noch Spaß machen kann. Das war dann der Anfang für das neue Projekt, für das ich mich jetzt sehr einsetze und das mich ausfüllt.“
Über Meinungen und Rückmeldungen freuen wir uns!
