Übernehmer/innen

Machen Sie sich bereit für die Übernahme.
Wer einen Familienbetrieb übernimmt, steckt in einem zunächst unausweichlich scheinenden Dilemma. Ist eine Neupositionierung für Übernehmer innerhalb einer Organisation möglich und notwendig, ist sie - aufgrund der unterschiedlichen Ordnungsprinzipien von Organisation und Familie - in Familienbetrieben nahezu unumgänglich.
Hermann Hesse schreibt: "Wer geboren werden will, muss eine Welt zerstören." (Demian, 1974) So ist es in Familienbetrieben notwendig, fixe Familienrangplätze zugunsten der Organisation zu "deformieren" und eine neue Rolle einzunehmen.

Verdienen Sie sich anderorts Ihre "Sporen".
Für eine erfolgreiche Übernahme ist es wichtig, dass Sie spüren, dass sie diesen Schritt auch wirklich selbst wollen. Gehen Sie also auf "Wanderjahre" und verdienen Sie sich anderorts Ihre "Sporen". Indem Sie zuerst eigene Erfahrungen sammeln und unabhängig vom elterlichen Betrieb Kompetenz erlangen, gewinnen Sie Distanz zum Familienbetrieb. Diese sichert Ihnen - bei Ihrer Rückkehr in den Betrieb - die Anerkennung der eigenen Eltern wie der bestehenden Mitarbeiter. Erst so können Sie bewusst "JA" sagen zu diesem Schritt. Wer nur "Sohn" oder "Tochter" spielt, hat es erfahrungsgemäß schwer, seinen Platz im Unternehmen zu finden!

„Wäre ich damals zu Hause geblieben, dann wäre ich heute entweder gebrochen oder sicher nicht mehr im Weinbau tätig. Das Studium war für mich wie eine zweite Pubertät, meine politische Anschauung etc. hat sich verändert.“

Entwickeln Sie Ihre eigene Vision vom Unternehmen.
Als Übernehmer entwickeln Sie meist Ihre eigene Vision vom Unternehmen und das ist gut so. Jede Übergabe ist mit Veränderungen verbunden, mit einer Entwicklung gemäß der aktuellen Marktsituation. Das erlaubt Ihnen "das Alte" zu würdigen, allmählich das Eigene einzubringen und neue Wege zu beschreiten. Nehmen Sie sich also ausreichend Zeit dafür, einen detaillierten businessplan aufzusetzen und ein dafür passendes Kommunikationskonzept zu erarbeiten. Je genauer Sie Ihre Zielvorstellungen und den Weg dorthin kennen, desto leichter tun Sie sich im Übernahmeprozess!

„Eine Übergabe bedarf einer guten Vorbereitung. Es ist wichtig, sich mit dem Senior zu beschäftigen, damit er alles erklären kann. Entweder man arbeitet eh schon mit oder man stellt nach der Übergabe die Themenblöcke zusammen und geht diese dann gemeinsam durch. Ich würde meinen Vater fragen: was war Dir bislang wichtig? Dann geht man ins Unternehmen rein, holt alle MitarbeiterInnen zusammen und sagt ihnen: so war es bisher, jetzt ist es so und es wird so weiter gehen wie bisher. Veränderungen verunsichern und das will niemand hören. Ich möchte dass sich alle wohl fühlen. Ich möchte, dass wir diesen Schritt gemeinsam gehen. Ich möchte Teams bilden und alle in diese Überlegungen der langsamen Neugestaltung mit einbeziehen. Ich möchte alle dort abholen, wo sie sind. Eine „Schock-Phase“ wird und soll es nicht geben!“

„Ab 1994 gab es bei uns Probleme mit dem Weißwein. Wir hatten sehr viel Böckser und bekamen das nicht in den Griff. So wuchs bei mir ab 1996 neues Interesse, denn so fand ich einen Weg, mich im Betrieb nützlich zu machen.“

Stellen Sie ganz viele Fragen und bitten Sie andere um Hilfe und Rat.
Engagement, Kreativität, Tatendrang und Zukunftsorientierung zeichnen Übernehmer aus. Also stellen Sie sich ganz viele Fragen und bitten Sie andere um Hilfe und Rat. Sprechen Sie mit Freunden, einem Steuerberater, Ihrem zukünftigen Bankbetreuer, einem Unternehmensberater, einem Rechtsanwalt, aber vor allem mit dem Übergeber. Klären Sie die Eigentümerverhältnisse, die Zuständigkeiten und Aufgaben, die Kompetenzen und Rollen im Zeitraum der Übergabe. Denn Transparenz und Klarheit erleichtert Ihnen die Übernahme!

Würdigen Sie, was Sie bekommen haben.
Der Aufbau einer Firma ist nie leicht und nun gilt es, das Erhaltene zu übernehmen und in der Weiterentwicklung zu erhalten.

„Ich bin meinem Vater sehr dankbar für die Geschäftsführung. Denn ich habe damit eine Spielwiese bekommen. Er sagt manchmal zu mir: „Es muss ja frustrierend sein, eine Firma zu führen, die gut rennt.“ Ich sehe das nicht so. Ich finde es super, weil ich so Geld zum Ausgeben habe für PR, Werbung u.v.m. Und ich brauche das Ding nicht von Null allein hoch bringen. Ich kann mich hier von Anfang an auf hohem Niveau bewegen.“

Stellen Sie sicher, dass Sie einen guten Betrieb übernehmen.
Es nützt nichts, das halbe Leben nur die Schulden abzuarbeiten, die der Vater, Großvater etc. aufgebaut haben.

„Ich lernte den Garnerzeugungsingenieur in Deutschland und ging dann nach USA, wo ich den Master und danach noch den Doktor machte. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich überhaupt nicht mehr in die Firma zurück kommen und habe mich dann bei Böhler-Uddeholm beworben. Daraus wurde aber nichts und dann sah ich, wie unsere Firma mit einem Haufen Schulden da stand und wusste: mit dem, was ich in USA gelernt hatte, kann ich das auf neue Beine stellen und gute Gewinne machen. Meine Brüder und ich hätten sonst nur Schulden geerbt!“

Übernehmen Sie langsam Verantwortung und die Führung.
Führung bedeutet Einsamkeit! Das ist für einen Übernehmer auf jeden Fall eine neue Erfahrung. Man wird nicht einfach als "Chef" geboren, sondern wächst in diese Rolle - mit all ihren Konsequenzen - langsam hinein. Indem Sie eine zeitlich fixierte Übergangphase mit dem Übergeber vereinbaren, können Sie langsam Verantwortung übernehmen und Führung lernen. Als Neuer sollten Sie "von unten" führen, damit Sie sich das Vertrauen Ihrer Eltern wie das langjähriger Mitarbeiter verdienen. Als "Chef" liegt die letzte Entscheidung immer bei Ihnen, aber hören und wertschätzen Sie auch das, was andere - speziell der Übergeber - Ihnen sagen. Ein erfolgreicher Übernehmer kann "das Alte" würdigen und schätzt den Rat des Übergebers im Sinne eines Mentors.

Nehmen Sie es, weil Sie es wollen, und nicht, weil Sie sich der Familie verpflichtet fühlen.

„Mein Vater hat uns immer wieder gefragt „Wann kommt ihr?“ und gesagt „Ich erwarte mir schon, dass ihr kommt.“ Ein Druck war und ist von seiner Seite schon da. Aber die Frage ist, ob man den annehmen möchte. Bei mir war es so, dass ich ihm gesagt habe „ich habe mein eigenes“. Sein Unternehmen zu führen, ist für mich erst später Mal ein Thema. Ich lasse mir auch offen, später dann etwas Anderes zu tun.“

Seien Sie milde mit sich selbst.
Das Führen eines Unternehmens ist ein steter Lern- und Entwicklungsprozess. Also seien Sie milde mit sich selbst, wenn mal was nicht gleich auf Anhieb so klappt, wie sie es konzipiert haben. Theorie und Praxis sind eben zwei paar Schuhe!

Über Meinungen und Rückmeldungen freuen wir uns!

 
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