Hinweise auf systemische Verstrickungen

Ausgleich - Ordnung - Bindung

Systemische Verstrickungen können den drei System-Prinzipien Ausgleich, Ordnung und Bindung zugeordnet werden und sich in Aussagen und Überzeugungen äußern. Deshalb haben wir für Sie einen kleinen Wegweiser im Erkennen von Ausgleichs-, Ordnungs- und Bindungsstörungen zusammengestellt. Dr. Manuela Mätzener

Der Begriff „Systemische Verstrickungen“ geht auf die Arbeit von Bert Hellinger zurück. Roman Braun hat sie in dem von ihm entwickelten SDI®-Modell (System-Dynamische Interventionen) strukturiert dargestellt und übersichtlich zusammenfasst.

Ursache einer solchen Verstrickung kann beispielsweise sein, dass ein Familienmitglied meist unbewusst die Probleme, die Rolle oder den Schmerz eines anderen Familienmitglieds – manchmal auch mehrerer Familienangehörigen – übernimmt. Die Auflösung einer Verstrickung kann sich auf alle betroffenen Personen innerhalb eine Familie positiv auswirken.

Ein einfaches, leicht nachvollziehbares Beispiel für einen Rollentausch wäre das Übernehmen der Mutterrolle durch das älteste Kind gegenüber den jüngeren Geschwistern, wenn die Mutter durch Krankheit, Abwesenheit oder Unvermögen nicht in der Lage ist, sich um ihre Kinder entsprechend zu kümmern.

Anzeichen für das Vorliegen einer Ausgleichsstörung sind:

  • Sie haben ein Problem, zu geben. Oder: Es fällt Ihnen schwer, um Hilfe zu bitten und Sie können diese auch nicht annehmen.
  • Sie fühlen sich ständig belastet, überfordert oder hilflos: „Mich kostet es enorm viel Energie, mit angezogener Handbremse vollgasgebend durch das Leben zu gehen!“
  • Sie erledigen Aufgaben und Pflichten, für die Sie nicht zuständig sind: „Für andere mache ich alles! Ich opfere mich auf – für meine Kinder, meine Partnerin, meine Kollegin, meine Eltern.“
  • Sie halten den Kopf für einen anderen hin oder baden für ihn etwas aus.
  • Sie sind sich ganz sicher, dass eine bestimmte Person Ihre Unterstützung braucht: „Ich bin eine Macherin, ein Supervater/eine Supermutter! Ich organisiere, mache, kümmere mich um alles und kann davon einfach nicht lassen.“
  • Sie leiden an „hartnäckigen“ Gefühlen (z.B. Traurigkeit, Zorn, Wut, Schwere), für die sich in Ihrem eigenen Leben keine Ursache findet.

Anzeichen für das Vorliegen einer Ordnungsstörung sind:

  • Es herrscht Unklarheit über die Rollenverteilung. Ihnen ist nicht klar, welche Aufgaben und Pflichten Sie haben.
  • Sie fühlen sich unsicher und wissen nicht, wie Sie sich gegenüber bestimmten Personen verhalten sollen.
  • Sie haben keine oder nur eine ungenaue Vorstellung von Ihrem Platz im System: „Ich weiß nicht genau, wo mein Platz in dieser Welt ist und was meine Rolle.“
  • Es gibt bestimmte Personen, die ausgeblendet sind oder bisher keinen Platz im System hatten.
  • Sie fühlen sich für „alles“ selbst verantwortlich: „Nur alleine bin ich stark!“
  • Sie erzählen anderen Personen Dinge, die sie nichts angehen.
  • Es fällt Ihnen schwer, anderen Personen Grenzen zu setzen.

Anzeichen für das Vorliegen einer Bindungsstörung sind:

  • Etwas „überschattet“ ihr Leben, ohne dass Sie es benennen können. Sie spüren Traurigkeit, Schwere oder eine Todessehnsucht: „Ich kann nicht allein sein.“ „Das Leben ist ein Kampf. Ich muss kämpfen, um zu über-leben!“
  • Sie nehmen nicht wirklich am Leben teil: „Ich fühle mich überall fremd.“
  • Sie empfinden keine Freude am Leben zu sein: „Ich empfinde manchmal ein Gefühl der Leere.“
  • In Ihrem Leben wiederholen sich Themen Ihrer eigenen Familie (Krankheiten, schwere Schicksale, unglückliche Beziehungen): „Manchmal erlebe ich, wie ich zu meinen Kindern Sätze sage, die ich bei meinen Eltern gehasst habe.“ „Ich erkenne in meiner Partnerin, Chefin, Kollegin eine Ähnlichkeit mit meinem Vater bzw. meiner Mutter.“ „Es wiederholen sich immer wieder bestimmte Muster in meinem Leben und/oder in meinen Beziehungen.“ „Ich gerate immer an einen bestimmten Typ von Frau/Mann!“
  • Sie brechen Projekte und/oder Beziehungen frühzeitig und regelmäßig ab: „Ich bin eben eine Einzelkämpferin, ein einsamer Wolf. Nähe kann ich auf Dauer nicht zulassen.“
  • Sie fühlen sich nicht „wie sich selbst“. Sie agieren in bestimmten Situationen „unangemessen“ und wie „fremdgesteuert“: „Überall, wo ich hinkomme, erzeuge ich Verwirrung.“
  • Sie verstehen sich und Ihr Verhalten selbst oft nicht: „Niemand versteht mich!“